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Verständnis & Lehre

Hinter dem Fehler liegt die eigentliche Frage.

Was wiederkehrende Fehlermuster über Lernhürden verraten – und warum die fachlichen Gründe zählen.

EDUGEN4 Min. Lesezeit

Drei transparente Acrylplatten mit blauen und magentafarbenen Punkten; ein gelber Faden verbindet die hervorgehobenen Punkte.
Visuelle Metapher · EDUGEN
In diesem Beitrag
  1. Was ein Ergebnis zeigt – und was offenbleibt.
  2. Fehlermuster sind Hinweise auf Zusammenhänge.
  3. Fehler können Lerngelegenheiten werden.
  4. Ein Beispiel aus der Wirtschaft.
  5. Drei Blickrichtungen für Lehrende.
  6. Ein Kurs braucht einen Überblick, Menschen brauchen passende Unterstützung.
  7. Unser Blick bei EDUGEN.
  8. Quellen & Einordnung

Eine falsche Antwort zeigt zunächst eine Abweichung. Für passende Unterstützung ist die nächste Frage entscheidend: Welche fachliche Annahme, welcher missverstandene Begriff oder welcher Denkweg könnte dahinterstehen? Wiederkehrende Muster können dafür Hinweise liefern.

Auf einen Blick

  • Eine falsche Antwort und ihr fachlicher Grund sind unterschiedliche Informationen.
  • Wiederkehrende Ähnlichkeiten geben Hinweise; sie ersetzen keine fachliche Einordnung.
  • Hilfreiche Rückmeldung greift den Zusammenhang auf, der noch nicht verstanden wurde.

Was ein Ergebnis zeigt – und was offenbleibt.

Ein Team bearbeitet einen Fall aus der Betriebswirtschaft. Die Aufgabe fragt nach dem Gewinn. Einige Lernende übernehmen den Umsatz als Ergebnis. Andere ziehen die Kosten ab, übernehmen dabei aber eine Zahl falsch. Die Abgabe ist in beiden Fällen fehlerhaft. Die Unterstützung sollte trotzdem an unterschiedlichen Stellen ansetzen.

Beim ersten Fall ist möglicherweise der Begriff Gewinn unklar. Beim zweiten kann der Zusammenhang bereits verstanden sein, während eine sorgfältigere Übernahme der Angaben nötig ist. Wer nur das Endergebnis betrachtet, sieht diesen Unterschied nicht zuverlässig. Eine Erklärung des Vorgehens kann zusätzliche Informationen liefern.

Fehlermuster sind Hinweise auf Zusammenhänge.

Mit einem Fehlermuster meinen wir hier ähnliche Auffälligkeiten über mehrere Antworten oder Situationen hinweg. Ein Beispiel wäre die wiederholte Gleichsetzung von Umsatz und Gewinn. Ein anderes wäre eine bekannte Regel, die auch in einer Situation eingesetzt wird, in der ihre Voraussetzungen nicht gelten.

Die Häufigkeit allein beantwortet noch nicht, warum das passiert. Ähnliche Ergebnisse können unterschiedliche Gründe haben. Auch die Aufgabenformulierung, vorausgesetzte Begriffe oder die Darstellung von Informationen verdienen einen Blick. Gute Einordnung hält mehrere Erklärungen offen, bis die fachliche Grundlage klarer ist.

Der Zusammenhang

Eine Antwort. Mehrere mögliche Gründe.

Begriff verwechseltWas bedeutet der Zusammenhang?
RechenfehlerWie entstand das Ergebnis?
Aufgabe missverstandenWas war eigentlich gefragt?
Eine Antwort kann verschiedene Hintergründe haben. Der Zusammenhang braucht fachliche Einordnung.

Die Antwort zeigt den Fehler. Der Zusammenhang eröffnet den nächsten Schritt.

EDUGEN Perspektive

Fehler können Lerngelegenheiten werden.

Metcalfes Forschungsübersicht beschreibt Bedingungen, unter denen Fehler mit anschließender Korrektur Lernen unterstützen können. Dabei spielen unter anderem Rückmeldung und die Auseinandersetzung mit der fehlerhaften Antwort eine Rolle. Die Schlussfolgerung ist nicht, dass jeder Fehler automatisch hilfreich ist; entscheidend ist der Umgang damit.[1]

Metcalfe und Xu untersuchten außerdem das Lernen aus eigenen und beobachteten Fehlern. Solche Forschungsarbeiten lenken den Blick auf die Verarbeitung einer Korrektur. Für die Gestaltung von Lehre ist daher interessant, ob Lernende die Rückmeldung fachlich nachvollziehen und anschließend mit dem Zusammenhang weiterarbeiten können.[2]

Ein Beispiel aus der Wirtschaft.

Ein Betrieb erzielt zunächst 10.000 Euro Umsatz bei 9.000 Euro Kosten. In einem späteren Zeitraum sind es 15.000 Euro Umsatz bei 14.600 Euro Kosten. Der Gewinn sinkt in diesem vereinfachten Beispiel von 1.000 auf 400 Euro, obwohl der Umsatz steigt.

Die Aussage „Mehr Umsatz bedeutet mehr Gewinn“ kann hier auf eine unvollständige Annahme hindeuten: Die Kostenentwicklung wird nicht berücksichtigt. Eine passende Rückfrage wäre, wie die beiden Größen gemeinsam das Ergebnis bestimmen. Wer dagegen die Kosten grundsätzlich einbezieht und sich nur verrechnet, braucht eine andere Rückmeldung.

Die Zahlen sind erfunden und dienen der Erklärung. Das Beispiel zeigt, weshalb die fachliche Begründung hinter einer Antwort für Lehrende aufschlussreicher sein kann als eine alleinige Markierung als richtig oder falsch.

Umsatz ist nicht Gewinn · ein Beispiel

Fall 1

Umsatz
10.000 €
Kosten
9.000 €
Gewinn
1.000 €

Fall 2

Umsatz
15.000 €
Kosten
14.600 €
Gewinn
400 €
Blau zeigt Kosten, Gelb den Gewinn. Mehr Umsatz bedeutet hier weniger Gewinn. Erfundenes Lehrbeispiel.

Drei Blickrichtungen für Lehrende.

Fachliche Einordnung lässt sich durch kurze, konkrete Fragen unterstützen. Sie müssen dafür weder eine vollständige Prüfung noch eine ausführliche Einzelberatung aus jeder Aufgabe machen.

  1. Den Begriff klären: „Was bedeutet Gewinn in diesem Fall?“ Die Antwort kann zeigen, ob Lernende dieselbe Größe meinen wie die Aufgabenstellung.
  2. Die Annahme sichtbar machen: „Was muss gelten, damit aus höherem Umsatz auch höherer Gewinn entsteht?“ So wird die Verbindung zwischen den Größen besprechbar.
  3. Den Denkweg prüfen: „Welche Angaben hast du verwendet und warum?“ Dadurch lassen sich Verständnis und Ausführung besser auseinanderhalten.

Ein Kurs braucht einen Überblick, Menschen brauchen passende Unterstützung.

Wenn mehrere Lernende an demselben Zusammenhang hängen bleiben, lohnt sich eine gemeinsame Erklärung. Wenn die Gründe unterschiedlich sind, kann dieselbe zusätzliche Übung für alle am Bedarf vorbeigehen. Für die Planung ist deshalb beides wertvoll: der Blick auf den Kurs und der Blick auf die konkrete Lernhürde.

Dabei bleibt die fachliche Verantwortung bei den Lehrenden. Ein Muster sollte eine begründete Nachfrage oder eine passende Erklärung ermöglichen. Es sollte Menschen nicht vorschnell auf eine feste Fähigkeit oder ein dauerhaftes Defizit reduzieren. Lernstände können sich verändern, und Lernbegleitung sollte diese Entwicklung aufgreifen.

Unser Blick bei EDUGEN.

EDUGEN richtet den Blick auf wiederkehrende Fehlermuster und ihre fachlichen Gründe. Wir verbinden diese Perspektive mit individueller Lernbegleitung und Einblicken für Lehrende. So wird eine Antwort zum Anlass, den zugrunde liegenden Zusammenhang besser zu verstehen.

Für eine Einrichtung ist die Frage konkret: Welche fachlichen Hürden treten in Ihren Kursen immer wieder auf? Im Gespräch können wir ausgewählte Einblicke zeigen und besprechen, wie EDUGEN Ihre Lehre unterstützt.

Quellen & Einordnung

Die verlinkten Quellen ergänzen die Aussagen im Beitrag. Praxisbeispiele und Empfehlungen stammen von EDUGEN und ordnen die Forschung für die Gestaltung von Lehre ein.

  1. Metcalfe (2017): Learning from Errors
  2. Metcalfe & Xu (2018): Learning from one’s own errors and those of others
Ihre Lehre. Unser Gespräch.

Welche Lernhürde begegnet Ihnen immer wieder?

Besprechen wir einen Zusammenhang aus Ihrem Fachgebiet und einen passenden Einblick in EDUGEN.

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